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Streit um Hebammenvergütung

 

Der Streit zwischen den Berufsverbänden der Hebammen und den Krankenkassen um eine Erhöhung der Vergütung freiberuflich erbrachter Hebammenleistungen schwelt weiter. Die Verbände weisen das Angebot der Kassen als unzureichend zurück und haben die Verhandlungen für gescheitert erklärt. In einem nächsten Schritt werden die Verbände die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Schiedsstelle anrufen.
"Die Vertreter der Krankenkassen waren nicht bereit, den Hebammen ein akzeptables Angebot vorzulegen", schreibt der Deutsche Hebammenverband in einer aktuellen Pressemitteilung. Die Kassenvertreter blieben bei 550 Euro plus 1,98 Prozent, was einem Gesamtergebnis von 560,89 Euro entspricht. "Mit 560 Euro kann kein Geburtshaus wirtschaftlich arbeiten, geschweige denn die hohen Qualitätsstandards auf Dauer halten", so Katharina Jeschke, die Verhandlungsführerin des Deutschen Hebammenverbandes.
Eine gemeinsame vergleichende Studie der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Hebammenverbände hatte Ende letzten Jahres gezeigt, dass Geburten in einem Geburtshaus in einigen Bereichen überzeugend besser sind als Geburten im Krankenhaus (siehe dazu auch den nebenstehenden Bericht in diesem Newsletter).  Erfolgsentscheidend für die außerklinische Geburtshilfe in Hebammen geleiteten Einrichtungen ist offensichtlich der Einsatz qualifizierter Hebammen. Seit Jahren arbeiten die 161 Geburtshäuser in Deutschland an der Optimierung ihrer Betreuungsqualität, auch schon vor Einführung der von den Krankenkassen geforderten Qualitätsmanagementkriterien, die nach den Richtlinien der DIN EN ISO 9001 zu erbringen sind. Nicht nur die Einführung dieser Qualitätskriterien in den Geburtshäusern, sondern auch deren Erhalt und Optimierung sind mit großem personellem und bürokratischem Aufwand und dadurch mit hohen Kosten verbunden. "Bei den QM-Forderungen der Krankenkassen geht es hauptsächlich darum, hohe bürokratische Forderungen zu erfüllen, die ein immenses Zeitbudget verschlingen", so Katharina Jeschke. Zu Recht argumentieren die Hebammen, dass damit einem kleinen Geburtshaus ähnliche Kosten zugemutet werden wie einem Großbetrieb – ohne eine Gegenfinanzierung durch den Auftraggeber, sprich den Krankenkassen, zu bekommen. "Wir sind der Meinung: Wer diese zusätzliche Leistung fordert, soll auch dafür zahlen. Dafür werden wir streiten", so die Vertreterin des Deutschen Hebammenverbandes.

Am 30. November 2011 haben die Hebammenverbände die Verhandlungen mit den Krankenkassen unterbrochen und für den 5. Dezember ein neues Angebot erwartet. Die Krankenkassen hatten diesen Termin kommentarlos verstreichen lassen. Derzeit geben die Krankenkassen nur 0,3 Prozent ihres Budgets für Hebammenleistungen aus. Für einen  Wochenbettbesuch erhält eine freiberuflich tätige Hebammen 27 Euro. Nach Abzug aller Ausgaben bleibt im Schnitt ein Netto-Stundenlohn von ca. 7,50 Euro. "Uns wundert es nicht, wenn Frauen händeringend nach Hebammen suchen, die oft auf Monate im Voraus ausgebucht sind", so Martina Klenk, die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. "Viele Kolleginnen haben bereits den Hebammenberuf an den Nagel gehängt, weil sie davon nicht mehr leben konnten. Wenn die Krankenkassen den Berufsstand der Hebammen ausbluten lassen wollen, dann vernichten sie nicht nur einen Berufsstand. Auch unendlich viele Frauen werden ohne gute Betreuung durch eine Hebamme in der Lebensphase Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu Opfern ihrer eigenen Krankenkassen."

Mehr Informationen zum Thema hält der Hebammenverband auf seiner Internetseite bereit. Dort gibt es auch Musterschreiben für Eltern, mit denen sie die Krankenkassen und den Bundesminister für Gesundheit auffordern können, auf eine Einigung hinzuwirken.


Quelle: Deutscher HebammenVerband e.V.

www.hebammenverband.de

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